Risiken und Nebenwirkungen

Und nie habe ich das Verlangen gehabt, der edlen Sprache zu schaden,
im Gegenteil, nur gewünscht, sie zu verbessern;
ich wollte sie bloß reformieren.

Mark Twain

Im Folgenden finden Sie meine Stilblütensammlung, die veranschaulicht, was so alles passiert, wenn man versucht, die Sprache aus ideologischen Gründen zu modifizieren. Der Rat für deutsche Rechtschreibung nennt das höflich „grammatische Folgeprobleme, die noch nicht geklärt sind“. Nein, das sind keine Fehler, die vorkommen können. Diese Fehler können nur wegen der Genderei entstehen. Einige zeigen auch die sprachliche Qualifikation von Menschen, die sich anmaßen, uns zu belehren, wie wir gefälligst zu sprechen und zu schreiben haben. Die Liste wird gerne immer mal wieder ergänzt. Wer Stilblüten findet, darf sie gerne melden. Und schon haben wir noch ein „Meldeportal“. Viel Vergnügen!

Bitte vorlesen! Was bitte ist ein:e Bürgermeister:in?
Ein weiblicher Mensch, der Bürgermeisterin ist?
Oder eine männliche Person, die Bürgermeister ist?
Und was heißt zum:r?

146.„Länder-Chefs und Länderinnen-Chefs“ (Phönix)
Einfach genial! Oder wollte hier jemand auf den Irrsinn hinweisen?

147.„Nach dem Gesetzeswortlaut sind männliche Personen ab der Vollendung des 17. Lebensjahres dazu verpflichtet, Auslandsaufenthalte, die länger als drei Monate dauern, vorab beim zuständigen Karrierecenter der Bundeswehr genehmigen zu lassen.“ … Eine Genehmigung von Auslandsaufenthalten sei aber immer dann zu erteilen, wenn „für den betreffenden Zeitraum keine konkrete Dienstleistung als Soldatin oder Soldat zu erwarten ist“ (Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums zitiert vom Tagesspiegel)
Welche männliche Person muss denn eine konkrete Diestleistung als Soldatin …? Vielleicht ein weiblicher Mensch, der als Soldat Diest leistet?

148. „Bürgergeldempfangende“ (Chef der DAK Gesundheit)
Ich hab noch ein paar alte tragbare Rundfunkempfangende. Und zwei Sattelitenreceivende.

149. „Jeder sechste Verkehrstote bundesweit war im vergangenen Jahr ein Radfahrender …“ (rbb24)
Schon wieder Zombies mit Fahrrad? Zum Glück ist keine tote Radfahrende dabei? Holperdistolper …

150. „Fahrradteilnehmer:innen“ (ebenda) Was ist das? Weibliche Diebe, die Fahhradteile klauen?

151. „Was viele nicht wissen, unser Deutsch hat noch eine viel mehr passende Möglichkeit: Das generische Neutrum. Das geht nicht mit jedem Verb als Ableitung, aber bei vielen. z.B. die Besucherinnen und Besucher = die Besuchenden / oder werte Zuschauerinnnen und Zuschauer und alle * : | zeichen zusammengefasst = werte Zuschauende usw… vor lauter generischem Maskulinum ist das generische Neutrum irgendwie in Vergessenheit geraten.“ (ein Kommentar bei rbb24)
Da hat jemand noch gar nicht gemerkt, dass die falsche Verwendung substantivierter Partizipien inzwischen weit verbreitet ist und hält sie auch noch für ein Neutrum. Zeigt sich hier wieder mal viel Meinung basierend auf gar keine Ahnung?

152. „ … aber der sogenannte Pastafarismus hat bereits Millionen von Anhängenden.“
(REMID Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V.)
Das nennt man auch Anhängsel. Die Eisenbahn hat Anhängende und der Sattelzug manchmal auch. Dafür brauchen sie Anhängendenkupplungen.

153. „In Südtirol helfen Wandernde bei der Heuernte“ (hr)
Wie kann man beim Wandern bei der Heuernte helfen? Indem man Heuballen schleppt?

Das Genderwörterbuch (geschicktgendern.de) liefert reichlich weitere Stilblüten. Abnehmer sollen „Abnehmende“ werden. Wer würde nicht gerne auch noch ein paar Kilo abnehmen? Meistens fällt ihnen aber nichts weiter ein, als aus einem Menschen, der irgendwas tut „eine irgendwas tuende Person“ zu machen. Absolventen (pl) sollen z.B zu einer (!) „Abschluss innehabenden Person“ werden. Wieder mal Singular und Plural verwechselt. Auch lustige Zirkelschlüsse kann man finden: „Absolventen → Alumni“ und ein paar Begriffe später: „Alumni → Ehemalige“.

Hauptproblem ist aber, dass aus einem allgemein üblichen Wort oft ein Rattenschwanz aus Schwurbelei wird. Wie bei Analphabet → Person, die nicht lesen und schreiben kann. Das waren nur ein paar Beispiele aus dem Buchstaben A. Sogar englische (angeblich neutrale) Begriffe werden als Alternative zu ganz normalen deutschen Wörtern vorgeschlagen. Von den ganz Eifrigen werden die dann auch wieder mit Sternen und Doppelpunkten und innen verziert.

Helmut Glück (von 1991 bis 2015 Professor für Deutsche Sprachwissenschaft und Deutsch als Fremdsprache an der Universität Bamberg) hat auch noch ein paar Stilblüten gefunden:
„Auch Adjektive und Partizipien sind schon moviert worden: Deutschinnen, Delegiertinnen, Mitwirkend*innen, Angestellt*innen, … Auch die Ausdrücke Drogensüchtig:innen, entlassene Mitarbeitende, Anwesende und Anwesendinnen, Alle Interessiert:Innen sowie tote Radfahrende sind belegt. In diesen Fällen wurde die Sprache nicht vergeschlechtigt, sondern vergeschlechtert.“

Wissenschaftliche Aussagen über die Verbreitung der Genderei und die „adäquate Abbildung der Komplexität“ beruhen auf den oben gezeigten Stilblüten und solchen Stellenanzeigen:

Managementdirektor:in (m/w/d), Künstlerische/r Direktor/in (m/w/d), Videograph/in (m/w/d), Fachangestellte:r (m/w/d), Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in, Vorsitzende/r der Geschäftsführung (CEO) (m/w/d), Teamleiter*in (m/w/d), Gestalter*in (m/w/d), Ingenieur*innen als Projektmanager*innen (m/w/d), Technische/r Sachbearbeiter/in/Dokumentar/in (m/w/d).

Bitte hundert Mal laut vorlesen. Die Krönung gibt’s auf Gendenglisch: Content Creator:in (m/w/d). Die Leipziger Buchmesse kennt sogar „Cosplayer:innen“!

Wäre Gendern ein Medikament zur Heilung einer kranken Sprache,
so müsste der Therapieversuch sofort abgebrochen werden.
Die unerwünschten Nebenwirkungen überwiegen einen wahrscheinlich gar nicht vorhandenen positiven Effekt bei weitem.

Bernd Schneider