Ja, sie schreiben den Frauen etwas Heiliges, Seherisches zu
Tacitus, Die Germania
und verschmähen nicht ihren Rat,
überhören nicht ihren Bescheid.
Quoten
B.S. September 2023
5 Minuten Lesezeit
Jedes Mal, wenn irgendwo eine Frau eine herausgehobene Position bekleidet, wird in den Medien ein Fass aufgemacht, als ob der erste Mensch auf dem Mond oder im Weltall zu bestaunen wäre.
Hat sogar die CDU ganz ohne Quote in den letzten Jahren eine Kanzlerin, zwei weibliche Vorsitzende, zwei Verteidigungs- und mehrere weitere Ministerinnen sowie eine EU-Kommissionspräsidentin hervorgebracht, geht die Kampagne gleich wieder los: „Ist die Ära der Frauen bei der CDU schon wieder vorbei?“ „Die Kandidaten für den CDU-Vorsitz: alles nur Männer.“
Wie wäre es denn mal, wenn das Geschlecht erst an zweiter, dritter oder gar keiner Stelle erwähnt würde? Das ist nämlich für alle diese Posten absolut irrelevant. Jeder weiß, dass Frauen, alle diese Posten ebenso gut oder schlecht ausfüllen können, wie Männer. Das reicht aber natürlich nicht mehr: Jetzt gibt es Autoren, die behaupten, mit wissenschaftlichen Studien könne man beweisen, dass Frauen sogar prinzipiell besser sind: „Frauen führen besser!“1
Der Feminismus war mal eine Bewegung, die sich um Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen bemüht hat. Inzwischen hat er sich aber in eine Bewegung verwandelt, die darauf abzielt, Frauen zu privilegieren. Ein Teil der Bewegung versucht, eine postulierte (teilweise auch noch reale) Benachteiligung von Frauen für eine systematische Benachteiligung von Männern zu missbrauchen. Deshalb wird auch nicht mehr von Gleichberechtigung, sondern von „Gleichstellung“ gesprochen und „Parität“ gefordert.
Eine Quote unter anderem in Vorständen wird mit dem Argument gefordert: Junge Frauen müssten Vorbilder haben und lernen, dass auch Frauen so etwas können (Jutta Allmendinger).2
Einerseits zeigt dieses Argument ein interessantes Frauenbild: Sind Frauen so wenig selbstbewusst oder gar naiv, dass sie immer noch Quotenfrauen als Vorbilder und Antrieb brauchen? Dann sind sie für solche Posten definitiv nicht geeignet. Andererseits gibt es inzwischen immer mehr Frauen auf entsprechenden Posten, so dass jede Frau wissen sollte, dass das Geschlecht, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Vom Co-Vorsitzenden der SPD wurde 2021 ein Kandidat für das Amt des Bundestagspräsidenten ins Gespräch gebracht. Mützenich wurde aber nicht vorgeschlagen, weil er ein Mann ist, sondern weil er als besonders geeignet angesehen wurde. Das wurde sogar von denen bestätigt, die anschließend dagegen intrigiert haben. Frau Bas hingegen wurde vorgeschlagen, weil sie eine Frau ist und erst in zweiter Linie, weil sie vielleicht auch geeignet sein könnte.
Spätestens seit dem offiziellen Wahlergebnis war klar, dass die SPD dieses Amt besetzen kann. Diejenigen, die eine Kandidatin hätten vorschlagen oder gar selbst kandidieren wollen, haben das schlicht verschlafen. Deshalb haben sie, weil sie unvorbereitet waren, erst einmal wieder die Opferkarte gespielt: „Alles nur Männer“, „zwingend eine Frau“, „Sprengkraft“. Aber keine Idee, wer denn da infrage kommen könnte. Vorne weg natürlich die Sozialwissenschaftlerin Jutta Allmendinger und die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF).
Damit ist eine demokratische Entscheidung unmöglich geworden. Die gesamte Fraktion und auch der bereits benannte Kandidat wird moralisch unter Druck gesetzt. Langsam müsste doch mal diese Strategie als das erkannt werden, was sie ist: Eine Strategie, um sich ungerechtfertigte Vorteile im Wettbewerb zu verschaffen. Und schon möchte die „Quotenpräsidentin“ das Ständewahlrecht wieder einführen: „Wir müssen dazu kommen, dass 50 Prozent der Abgeordneten Frauen sind“3
Sie ist nun natürlich zu Recht als zweite Wahl und als „Quotenfrau“ beschädigt. Dann beschwert man sich auch noch darüber, dass Frauen mehr leisten müssen als Männer, um in solchen Positionen akzeptiert zu werden? Das ist aber für jeden so, der den Start verpennt und erst losrennt, wenn der Konkurrent schon fast am Ziel ist. Dem Konkurrenten Knüppel zwischen die Beine zu werfen sollte aber mit Disqualifikation statt Siegerehrung belohnt werden.
Dass von nunmehr drei sozialdemokratischen Bundestagspräsidenten zwei Frauen waren, wird natürlich ignoriert. Auch dass im Präsidium nur noch ein einziger Mann saß. Das wäre auch eigentlich alles keiner Erwähnung wert, gäbe es nicht diesen Quotenfetischismus.
Stattdessen ging die Debatte gleich wieder los: Bei der Bundestagspräsidentin wurde noch argumentiert, dass alle drei Spitzenpositionen (Bundespräsident, Bundestagspräsident und Kanzler) ja sonst Männer wären und deshalb „zwingend eine Frau“ Bundestagspräsidentin werden muss. Dann haben sich SPD und FDP darauf geeinigt, eine zweite Amtszeit für Steinmeier zu befürworten. Aus der CDU kommt dann plötzlich die Idee (natürlich wieder, ohne einen Namen zu nennen) eine Frau zu favorisieren.
Und die Fraktionsvorsitzende der Grünen „entschuldigt“ sich dafür, dass sie sich nach schwerem Ringen entschlossen haben, Steinmeier zu unterstützen mit den Worten: „Auch, wenn wir uns theoretisch vorstellen können, dass es Zeit ist für Frauen in hohen Staatsämtern …“ (Tagesschau 4.1.22).
Da fragt man sich doch, in was für einer Zeit Frau Haßelmann – rein theoretisch – stecken geblieben ist. Sind die letzten 70 Jahre Politik in Deutschland und der Welt an ihr vorbeigegangen? Oder was will sie uns damit weismachen?
Quoten werden ausschließlich dort gefordert, wo es um Macht, Geld und Einfluss oder irgendwelche anderen Privilegien geht. „Echte Parität zeigt sich in den Spitzenpositionen!“ (Maria Noichl, ASF) Dafür wird eine ungleiche Verteilung ohne weitere Gründe in Betracht zu ziehen, als Benachteiligung definiert. Der umgekehrte Fall wird aber grundsätzlich ignoriert oder als irrelevant betrachtet. So etwas nennt man Rosinenpickerei. Oder Neudeutsch: cherry picking.
Allerdings nicht in der Schweiz: Da wird inzwischen auch die Wehrpflicht für Frauen gefordert.4 Nur eben nicht von Feministen (und Tinnen?), sondern von den Offizieren (und Rinnen?). Im Mai 2024 ist diese Diskussion sogar in Deutschland angekommen. Wo bleibt die Begeisterung über mehr „Gleichstellung“? Wo bleiben die Quotenforderungen?
Warum heißt der Artikel 20 des Grundgesetzes, Absatz 2 wohl genau so: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen …“ und nicht: „Alle Staatsgewalt geht zu x Prozent von Frauen, zu y Prozent von Männern, zu z Prozent von Diversen (kann man jetzt beliebig mit allen weiteren Grüppchen, die auch schon Quoten fordern, fortsetzen) aus. Sie wird von Frauen, Männern und jedem einzelnen Grüppchen ganz ohne Wahlen …“
- Nina Kolleck, Klaus Hurrelmann. Frauen führen besser!
https://www.zeit.de/2022/13/
frauen-fuehrungspositionen-fuehrungskompetenz-gleichstellung - Luisa Jacobs (Interview). Diese Decke ist nicht aus Glas, sie ist aus Beton
https://www.zeit.de/arbeit/2020-10/frauenquote-vorstaende-
frauen-vorbilder-machtposition-unternehmen - https://www.welt.de/politik/deutschland/plus250693718/
Baerbel-Bas-Wir-muessen-dazu-kommen-dass-
50-Prozent-der-Abgeordneten-Frauen-sind.html - Andrea Kučera. Das Militär soll auch für Frauen Pflicht werden
https://nzzas.nzz.ch/schweiz/militaer-soll-in-der-schweiz-fuer-frauen-pflicht-werden-ld.1636203