Das gestohlene Internet
B.S. März 2025
7 Minuten Lesezeit
Das Internet war mal ein offenes System, in dem jeder Meinungen, Informationen und alle möglichen und unmöglichen Geschichten verbreiten kann. Da drin gibt es sogar ein System, mit dem du unabhängig vom genutzten Gerät oder einer „Plattform“ mit allen möglichen Leuten und Institutionen kommunizieren kannst. Das ist die altmodische E-Mail. Läuft auf Äpfeln und Androiden, auf Fenstern und Pinguinen. Du kannst dafür den Sturmvogel und eine gewaltige Menge anderer Programme (die jetzt aber Apps heißen müssen – das ist die Abkürzung von (engl.) application. Auf gut Deutsch: Anwendung oder eben auch Programm) verwenden. Und jeder kann mit jedem, der eines der vielen Programme und eines der Betriebssysteme verwendet, kommunizieren.
Einige dieser Programme sind völlig „kostenlos“, (zum Beispiel, das göttliche Programm, das dir eine E-Mail-Adresse gleich mitliefert) die lesen deine Post nur mit und ergänzen sie dann mit passender Reklame. Was sie sonst noch damit machen, kannst du in den „Datenschutzinformationen“ lesen. Oder auch nicht. Du hast ja nichts zu verbergen.
Dann kam das Gesichtsbuch – und inzwischen sogar noch eine Menge weiterer asozialer Netzwerke. Die Anfänge überspringen wir mal. Heute ist das für viele Menschen „das Internet“. Tatsächlich ist es aber ein Labyrinth innerhalb des Internets, in das man sich einsperren (lassen) kann, um mit ca. 3 Milliarden „Freunden“ Informationen, Falschinformationen, Katzenbilder und anderen Unfug auszutauschen. Aber nicht mit Leuten, die sich von den asozialen Netzwerken fernhalten und nur im Internet unterwegs sind. Oft kannst du nicht mal auf Inhalte zugreifen, die außerhalb dieser Netzwerke zu finden sind. Du darfst auch nicht alles sagen: zum Beispiel irgendwas mit … Sex. Oder gar Bilder, die „Nippel“ zeigen. Das ist verboten. (Nazi-)Propaganda, Verschwörungsmärchen und sonstige Lügen sind aber kein Problem.
Vor allem aber ist es auch ein Käfig, in dem Hänsel ständig von der Hexe mit noch mehr Unfug – auch in Form von Reklame – gefüttert wird. Die will dich nicht fressen, die will nur dein Bestes. Dein Geld – und dazu alles (wirklich alles!) über dich wissen. Dann zeigt sie dir auch nur noch das, von dem sie zu wissen glaubt, dass es dich noch dümmer macht. Bis du glaubst, das wäre das Internet. Bis du glaubst, da erfährst du irgendetwas Wichtiges. Bis du glaubst, ohne asoziale Netzwerke nicht mehr leben zu können.
Es gibt auch ein Programm, das dich fragt: Wat is ab? Bei dir ist es wohl ein Rad? Diese App holt sich sogar noch die Daten von Leuten, die damit gar nichts zu tun haben wollen. Da haben einige Leute dann Alternativen gebaut, mit denen man das Gleiche machen kann ohne alle seine Geheimnisse und seine Freunde und Verwandten zu verraten. Zum Beispiel dieses Dings mit T – so ähnlich wie früher, wenn man jemandem per Post ganz eilig eine Nachricht zukommen lassen wollte. Da sind aber gaaaanz böse Menschen unterwegs in diesem Tele(fon?). Oder eins mit S, so ähnlich wie die Ampeln bei der Eisenbahn. Aber da sind ja nicht „alle“. Deshalb gehst du lieber zu Wat is ab, weil da sind alle, aber natürlich nicht die Bösen – sondern nur die Dummen – oder die Faulen?
In der guten alten Zeit war es üblich, wenn man anderen Menschen – eigentlich der Wirklich Weiten Welt – etwas mitzuteilen hatte (oder es glaubte), eine eigene Webseite zu bauen. Das kannst du sogar heute noch (siehe beispielsweise diesen Blog). Und weil das so viele wurden, haben einige findige Leute Suchmaschinen entwickelt. Eine war so gut, dass sie alle anderen an den Rand gedrängt hat. Die ist inzwischen so gut, dass viele Menschen die auch für „das Internet“ halten. Die fängt mit G an, manche glauben wohl, dass das Gott heißt (allwissend und allmächtig?). Wenn diese Leute eine Webseite aufrufen wollen, deren Adresse (Fachchinesisch: URL) sie kennen, dann tippen sie die Adresse nicht mehr in das Adressfeld ihres Browsers (Das ist eines von vielen Programmen (Apps/Applications/Anwendungen), mit dem man Inhalte aus dem Internet anschauen kann.) Nein, sie tippen die Adresse in das Suchfeld der Suchmaschine ein.
Das ist ungefähr so, als würdest du einen Brief nicht an die Adresse des Empfängers, sondern an die Adresse des Suchdienstes der Post für verloren gegangene Briefe schicken. Und der Post mitteilen, dass sie dir einen Briefumschlag mit der Adresse des Empfängers schicken soll. Das lässt sich die Post nein, die Suchmaschine natürlich bezahlen. Nicht mit Bargeld, sondern mit Daten. Mit allen deinen intimen Geheimnissen. Denn die Suchmaschine merkt sich deinen Absender und was du so alles wissen willst. Und sie klebt dir einen Keks an die Backe, damit sie dich immer wiedererkennen kann. Und dann füttert sie dich mit dazu passender Reklame – und sogar dazu passenden Suchergebnissen. Damit du noch dümmer wirst.
Weil das so toll funktioniert und so viel Geld einbringt, haben die Erfinder der Suchmaschine natürlich noch eine Menge anderer absolut kostenloser „Dienstleistungen“ erfunden. Selbst so einen (absolut kostenlosen) Browser hat G(ott) schon im Angebot. Und wenn du nicht aufpasst, wird jeder deiner Schritte im Internet protokolliert und für dies und das verwendet. Aber du hast ja nichts zu verbergen.
Ein besonderes Highlight ist die sogenannte Wanze. Manche nennen das auch Händi. Die musst du sogar kaufen. Damit sie noch mehr über dich erfahren: wo du arbeitest, wo du wohnst, wann du zur Arbeit fährst und wann ins Puff, ob du überhaupt zur Arbeit fährst oder arbeitslos bist, was du für Musik liebst, welche Krankheiten du hast, ob du schwanger oder schwul bist, wann und wie oft du zu welchem Arzt gehst und eine Menge anderer Details über dein Leben. Deshalb haben sie nicht nur (völlig kostenlose) E-Mail, sondern einen Kalender und noch so allerhand andere tolle Apps gleich eingebaut. Aber du hast ja nichts zu verbergen. Warum hast du dann so viel an?
Und wenn du was kaufen möchtest, dann fragst du G(ott), wo es das gibt. Obwohl du natürlich genau weißt, dass du nur bei der Kriegerin kaufen möchtest. Die Suchmaschine sagt dir dann eine ganze Menge, aber ganz oben steht immer genau das, was du sowieso schon weißt. Musst nur draufklicken. Meistens ist es der ehemalige Buchhändler (eine Kriegerin – oder ein Fluss? Egal! Kaufen!!!), bei dem du sowieso kaufen willst. Weil das so bequem und auch noch kostenlos (ausgenommen natürlich der besonders günstige Kaufpreis des Produktes) ist, bestellst du da. Und bezahlst über einen weiteren Interessenten an deinen Geheimnissen.
Da kaufst du dann sogar noch eine weitere Wanze. Die stellst du in dein Wohnzimmer, damit sie alle Gespräche mithören, aufzeichnen und von (natürlich absolut vertrauenswürdigen) Mitarbeitern analysieren lassen kann. Weil das aber so schön bequem ist, Licht an und aus, Musik an/aus usw. einfach per Zuruf zu steuern, ist dir das egal. Du hast ja nichts zu verbergen.
Bald bekommst du bestimmt noch Kameras, die dich beim Seifenopern gucken, Zocken, Vögeln oder Masturbieren beobachten. Dann musst du nicht mal mehr „Axel, mach das Licht aus“ rufen, dann schaltet Axel automatisch das Licht aus (und den Infrarotmodus an). Die Kriegerin und „G-ott“ müssen schließlich wissen, was du so treibst. Aber du hast ja nichts zu verbergen.
Update Dezember 2025:
Falls doch: Ab 2026 gibt es, initiiert vom Chaos Computer Club, eine Initiative zur digitalen Unabhängigkeit. Hier findest du Rezepte, dich von den Interessenten an allen deinen Geheimnissen unabhängiger zu machen. Nein, das wird nicht auf Anhieb vollständig möglich sein. Aber einen Anfang solltest du, falls du doch nicht ganz nackt durch die digitale Welt taumeln möchtest, schon mal machen:
siehe hier: https://di.day/ !

Die Webseite ist schon online! Nein, nicht beim Fratzenbuch, nicht bei Tiktaktiktaktiktak, nicht beim Finster Gramm, nicht bei Wat is ab?. Nicht mal bei Ypsilon (oder Icks, dem ermordeten Vögelchen?), der Kriegerin und auch nicht bei Gott! Sondern im Internet. Kannst du sogar mit dem Feuerfuchs anschauen. Ohne Kekse. Bei diesem Blog übrigens auch ganz ohne Kekse. Bei vielen anderen Webseiten aber nur, wenn du das richtig einstellst 😉 Oder ist dir das zu kompliziert? Dann hol dir Hilfe oder schau mal in die Bedienungsanleitung. Sollte man bei allen Dingen, die man benutzt, tun.
Hier noch eine Initiative, die sich für mehr digitale Souveränität einsetzt:
https://digitalcourage.de/
Hier noch ein paar Links zu den Möglichkeiten, sich von den Datenkraken aus den USA mehr und mehr abzunabeln:
https://european-alternatives.eu/
https://european-alternatives.cloud/de
https://eualternative.eu/
Falls dir gefällt, was du hier liest, kannst du das natürlich „teilen“. Von mir aus sogar in den asozialen Medien. Für viele musst du aber auch hinzufügen, dass das eben nicht bei … sondern nur im Internet zu finden ist.