
Gendergaga in Pankow
B.S. 12.3.2025
4 Minuten Lesezeit
Bedenke, dass die Stärke eines Arguments
(Drittes Angebot des evolutionären Humanismus)
völlig unabhängig davon ist,wer es äußert.
Der Tagesspiegel berichtete über einen kuriosen Vorgang1: Die AfD Pankow hatte einen Antrag in die BVV eingebracht, der das Gendern mit Verzierungen innerhalb von Silben untersagen sollte. Im Wortlaut (Zitat Tagesspiegel):
„Im Bezirksamt Pankow wird aktuell gemäß den Regelungen der Gemeinsamen Geschäftsordnung für die Berliner Verwaltung (GGO) die sogenannte ‘Geschlechtergerechte Sprache’ benutzt.
Mehrgeschlechtliche Schreibweisen durch Wortbinnenzeichen wie Genderstern, Doppelpunkt, Gender-Gap, Binnen-I oder Mediopunkt sind allerdings unzulässig.
Wortbinnenzeichen gehören nicht zum Kernbestand der deutschen Orthografie, Wörter mit Gender-Sternchen oder anderen Zeichen nicht zur amtlichen deutschen Rechtschreibung. Entsprechend ist das Bezirksamt aufgefordert, zukünftig eine grammatikalisch falsche ‘Gender-Sprache’ generell nicht mehr zu verwenden bzw. künftig die Vorschriften des amtlichen Regelwerks der Rechtschreibung einzuhalten.“
Nun ja, so richtig gutes Deutsch ist das auch nicht, aber inhaltlich? Um dem nicht zustimmen zu müssen, musste die CDU, die das eigentlich auch so sieht, sich etwas einfallen lassen. Also formulierte man einen Änderungsantrag:
„Im Bezirksamt Pankow werden aktuell oftmals mehrgeschlechtliche Schreibweisen durch Wortbinnenzeichen wie Genderstern, Doppelpunkt, Gender-Gap, Binnen-I oder Mediopunkt genutzt. Gemäß den Regelungen der Gemeinsamen Geschäftsordnung für die Berliner Verwaltung (GGO) ist die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern zu beachten. Dies soll primär durch geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen und, wo dies nicht möglich ist, durch die Ausschreibung der jeweils weiblichen und männlichen Form geschehen.
Das Bezirksamt wird daher ersucht, von der Nutzung von Wortbinnenzeichen entsprechend künftig abzusehen.“
Natürlich lehnte die Mehrheit auch diesen Antrag ab. Weil ein Bezirksamt nicht an das amtliche Regelwerk gebunden ist? Warum Berlinern die dann nicht einfach in ihrer offiziellen Kommunikation? Zurück ins Mittelalter, jeder schreibt, wie er Lust hat:
„Mahnunk: Ey Alta*In, ick bin von Bezürxamt. Haste vajessen ßu beßahln? Jezeichnet Mülla, Beamt*In“
Das ist progressiv! Oder wurde es abgelehnt, weil die Forderung „von RECHTS“ kommt? Offensichtlich beginnt für die anderen Fraktionen RECHTS bereits bei der Union.
20 000 ungeöffnete Briefe im Pankower Sozialamt, offene Hilfsforderungen in Millionenhöhe, alles kein Problem. Die Leute zu richtig falschem Deutsch zu erziehen, ist aber ein zentrales Anliegen?
Der Antrag der AfD bezog sich übrigens auf die Begründung des Rates für deutsche Rechtschreibung bezüglich dieser albernen Verzierungen. Demnach gehören sie nicht zum Kernbestand der Orthografie. Der Rat warnte auch vor „grammatischen Folgeproblemen“. Das ist schon eine windelweiche Begründung, weil sich der Rat inzwischen von (Sprach-) Wissenschaft weitgehend verabschiedet hat. Stattdessen gibt es dort jetzt „Sprachpolitik“. Die steht wohl im Konflikt mit der Wissenschaft. Was schlussfolgern wir daraus? Vielleicht, dass wenn etwas als „gut“ erfunden wurde, auch pseudowissenschaftlicher Unfug als „wissenschaftliche Erkenntnis“ akzeptiert werden muss.
Die Union zitiert dann die Gemeinsame Geschäftsordnung, die offensichtlich von sprachwissenschaftlich ganz besonders kompetenten Menschen erstellt wurde. Denn sie wissen natürlich nicht (oder wollen sie es nicht wissen?) dass es eine „geschlechtsneutrale Personenbezeichnung“ gibt, die nicht nur geschlechtsneutral ist, sondern alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Schuhgröße und allen möglichen anderen Kriterien benennt. Die ist laut Luise F. Pusch als „der wahre Feind“ bekannt.
„Genderlinguist geteilt durch Innen“ behaupten ja, dass „Niemand“ Genus und Sexus verwechselt. Das ist wohl der gleiche „Niemand“, der das Gendern in Gesetzen und Verordnungen vorschreibt und der laut Art. 3 Abs. 3 GG bevorzugt werden darf (Quoten)? Oder warum sonst wird überall von der „weiblichen und männlichen Form“ geschrieben? Was bei der „Ausschreibung der jeweils weiblichen und männlichen Form“ herauskommt, kann man dann in Gesetzen und Verordnungen erleben:
„Landesabstimmungsleiterin oder Landesabstimmungsleiter sind die Landeswahlleiterin oder der Landeswahlleiter. Stellvertreterin oder Stellvertreter der Landeswahlleiterin oder des Landeswahlleiters sind die Stellvertreterin oder der Stellvertreter der Landeswahlleiterin oder des Landeswahlleiters. Die Landesabstimmungsleiterin oder der Landesabstimmungsleiter führt die Geschäfte des Landesabstimmungsausschusses.“
(§ 32 des Gesetzes über das Verfahren bei Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid des Landes Brandenburg)
So geht das über 27 Seiten! Eine Person sind Leiter?
Daraus ergibt sich natürlich immer wieder die Frage, welche zusätzliche Information durch diese künstliche Aufblähung von Texten vermittelt wird. Ist es die Information: „Maskuline Rollenbezeichnungen sind immer die „männliche Form“, und wenn du das nicht glauben willst, hauen wir dir das so oft um die Ohren, bis du aufgibst“? Oder: „Schaut mal, wie progressiv wir sind. Wenn dir das nicht gefällt, bist du ein rechtsradikaler alter weißer Mann.“ Komischerweise sind hier Frauen, Kinder, Greise jeglicher Hautfarbe einfach nur mitgemeint. Nämlich die 70-90% der Bevölkerung, die diesen Unfug ebenfalls ablehnen. Zum Schluss stellt sich noch die Frage, ob so ein Affentheater eventuell unerwünschten Einfluss auf Wahlergebnisse haben könnte?
1 https://www.tagesspiegel.de/berlin/gender-eklat-
zwischen-afd-und-cdu-in-berlin-wortklauberei-
zoff-um-punktchen-und-sternchen-13349254.html