
Sie verachten die deutsche Sprache,
(Peter Eisenberg)
sonst könnten sie sich nicht derartig an ihr vergreifen.
Der PEN Berlin vergleicht den Kulturstaatsminister
mit DDR-Chefideologen Kurt Hager
B.S. 15.8.2025
5 Minuten Lesezeit
Der PEN Berlin veröffentlicht am 11.8.2025 eine Pressemitteilung: „Bravo, Herr Staatsminister! Aber Gendern ist nicht alles“. Also eine Organisation, deren wichtigstes Werkzeug die deutsche Sprache ist äußert sich zum Gendern.
Und schon wieder haben wir ein „Haltet den Dieb“: Denn der PEN Berlin begrüßt, „dass der Bundesbeauftragte den Mut aufbringt, sich der Spracherziehung anzunehmen und damit Ansprüche auf eine Rolle in der Kulturpolitik anzumelden, die seit dem Ausscheiden von Kurt Hager im Herbst 1989 vakant geblieben ist“.
Da stellen sich mir einige Fragen:
Inwieweit hat der PEN Berlin die Rolle von Kurt Hager verstanden? Denn Hager gehörte wohl eher zu denen, die den „antifaschistischen Schutzwall“, die „geflügelte Jahresendfigur“ und ähnlichen Unfug befürworteten. Der war also Teil einer selbst ernannten Elite, die entgegen der allgemeinen Stimmung einen sogenannten Soziolekt pflegte. Das hat (im Gegensatz zu Gendersprech) meistens sogar ohne „grammatische Folgeprobleme“ funktioniert.
Nun soll also Wolfram Weimer, der die Bundesbehörden auffordert, auf einen Soziolekt zu verzichten und sich an die geltenden grammatischen und Rechtschreibregeln zu halten, Spracherziehung betreiben? Ist es nicht eher umgekehrt? Die Befürworter der „gerechten Sprache“ sind es doch, die Hunderte von fein gesponnenen Leitfäden und sogar Lehrbücher („Richtig Gendern“, „Handbuch gerechte Sprache“) produzieren, um uns alle umzuerziehen. Die jeden, der das kritisiert, sofort in die rechte Ecke stellen und „Haltet den Dieb“ schreien: Henning Lobin: „Sprachkampf. Wie die Neue Rechte die deutsche Sprache instrumentalisiert“.
Deniz Yücel, der Vorsitzende des PEN Berlin beherrscht, wenn ich recht informiert bin, eine Sprache, bei der der Erfinder der Sprache die totale Gerechtigkeit gleich eingebaut hat. Und zwar so, dass eine Diskriminierung von Frauen und anderen Geschlechtsidentitäten gar nicht möglich ist. Oder hat er nur vergessen, zu diskriminieren? Wie wir alle wissen, hat das zu einer durch und durch gerechten Gesellschaft geführt: Frauen sind in diesem Land nicht nur gleichberechtigt, sondern sogar vollständig gleichgestellt? (Oder heißt das gleichgeschaltet?)
Gendersprech zu benutzen, ist also ein Zeichen von Freiheit? Warum bloß haben meine Deutschlehrer (die für Fremdsprachen übrigens auch) grammatische und Rechtschreibfehler immer gnadenlos angestrichen und sogar schlechte Noten verteilt? Freiheitsberaubung! Warum hat man sich irgendwann darauf geeinigt, eine einheitliche Rechtschreibung im deutschsprachigen Raum einzuführen? Warum wohl gibt es einen Rat für deutsche Rechtschreibung?
Man kann mit Sprache Kunst machen, man kann sogar künstliche Sprache als Kunst gebrauchen. Das ist nicht mal neu. Man denke an die Dadaisten, an Morgensterns „Fisches Nachtgesang“ oder an „Starckdeutsch“ von Matthias Koeppel. Das ist alles erlaubt und sogar wirklich Kunst. Sollte ein PEN das nicht eigentlich alles wissen? Aber was hat so etwas in der offiziellen Kommunikation von Behörden verloren? Oder in journalistischen Texten? Denn nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Warum wohl gibt es denn keinen Rat für deutsche Rechtausstellung oder deutsche Rechtinszenierung oder deutsche Rechtmalerei oder deutsche Rechtmusik? Da ist wohl jemandem DER Apfel als DIE Birne durchgegangen.
Das einzig überzeugende Argument fürs Gendern ist ja nach Jüt!zell die Schnappatmung, die es auslöst. Dann nehme ich mir mal die Freiheit, seinen Namen so zu schreiben, wie ich es für richtig halte. Schnappatmung? Gendersprech attestiert mir überall, wo es auftaucht, dass ich zu rechts, zu rückständig, zu alt, zu weiß, zu männlich und zu doof für die einzig wahre Wahrheit bin. Das ist übrigens auch eine Methode aus dem Werkzeugkasten von Ideologen wie Kurt Hager: Wer nicht für uns ist, ist entweder dumm oder bösartig („Wer das Leben beleidigt, Ist dumm oder schlecht. Wer die Menschheit verteidigt, Hat immer recht. So, aus Leninschem Geist, Wächst, von Stalin geschweißt, Die Partei, die Partei, die Partei.“ aus dem „Lied der Partei“).
Spannend finde ich auch, dass die Genderbefürworter immer wieder Sätze produzieren, die sich selbst widersprechen: Wenn der PEN Berlin jede bevormundende Spracherziehung ablehnt, warum will er sich dann ausgerechnet an die bevormundende Spracherziehung aus den Leitfäden und Lehrbüchern halten (die sich selbst und einander auch gerne widersprechen) und nicht einfach an die geltenden grammatischen und Rechtschreibregeln? Die Regeln der Leitfäden und Lehrbücher geraten nämlich nach Aussage aus dem Rat für deutsche Rechtschreibung oft in Konflikt mit den grammatischen und Rechtschreibregeln (vgl. den Beitrag „Risiken und Nebenwirkungen“). Und natürlich sollen PEN-Mitglieder auch mit Sprache spielen, sie künstlerisch verfremden oder einfach Kunst machen.
Gegen überflüssige Verbote zu sein, ist äußerst sinnvoll. Nur hat der PEN offensichtlich noch nicht gemerkt, dass in vielen Hochschulen und etlichen Organisationen überflüssigerweise schon seit langem korrektes Deutsch verboten ist. Zum Beispiel auch bei den Neuen Deutschen Meinungsmacher Stern Innen und natürlich beim PEN Berlin.
Noch so eine Methode: Wir „Sprachbewahrer“ könnten ja Alt- oder Mittelhochdeutsch sprechen … Sind es nicht die Genderideologen, die zurück ins Mittelalter wollen, wo jeder geschrieben hat, wie es ihm passte; die längst durch natürlichen Sprachwandel ausgestorbene Formen reanimieren wollen (z.B. Studierende, Gästin)?
Natürlich mus auch beim Spiegel „Haltet den Dieb“ gerufen werden: „Kulturstaatsminister Wolfram Weimer will, dass die Welt nach seinen Vorstellungen spricht und schreibt.“ (Samira El Ouassil) Wo ist denn der ganz persönliche „Antigenderleitfaden“ von Herrn Weimer? Nein, er will, dass die Bundesbehörden sich an die gültigen Rechtschreibregeln halten. Aber unter „die Welt“ und „seine Vorstellungen“ geht es natürlich nicht? Schnappatmung?
Das ZDF tut es nicht unter „Zensur“. Ist Zensur nicht die staatliche Regulierung, welche Informationen verbreitet werden dürfen und welche nicht? Die einzig relevante Information, die meiner Ansicht nach durch Gendern transportiert wird, habe ich oben (und in mehreren früheren Beiträgen) bereits benannt. Darf ich die als Diskriminierung auffassen? Darf ich mich dadurch in meinen Gefühlen verletzt fühlen?
Warum ist die Debatte vonseiten der Genderideologen so aufgeheizt? Natürlich hat Herr Yücel recht, dass es eigentlich keine wirklich überzeugenden Argumente fürs Gendern gibt. Da muss man stattdessen das ganz schwere Geschütz auffahren: „Alles Nazis außer ich!“
Wohin solche Ideologie letztendlich führt, kann man sehr schön in den USA beobachten. Da schlägt das Pendel gerade in die entgegengesetzte Richtung, was die Sache auch nicht besser – eher schlimmer – macht. Unternehmen, die sich sofort der (aber nur der sprachlichen) Gerechtigkeit unterworfen haben, räumen das – und gleich noch ein paar sinnvolle Veränderungen mit – sofort wieder ab, wenn der Wind sich dreht. Daran kann man eine tatsächlich funktionierende Begründung fürs Gendern erkennen: Opportunismus.
Krokokwawzi? Sememememi!
aus: Christian Morgenstern, Das große Lalula
Seiokrontro – prafliplo:
Bifzi, bafzi; hulalemi
quasti basti bo…
Lalu lalu lalu lalu la!
https://penberlin.de/pm-bravo-herr-staatsminister-aber-gendern-ist-nicht-alles/