Die Lehre, die sich als „Wahrheit“ versteht, diskutiert nicht ihre Thesen,
(„Brinkhaus“)
Widerspruch ist stillzulegen. Halbwahrheit und Manipulation von Daten nicht selten. Nachgeladen werden illiberale und autoritäre bis totalitäre Politikkonzepte.
ÜberzeuGENDER argumentieren!
11 Minuten Lesezeit
Dass unsere Muttersprache „zurechtgestutzt und repariert“ werden muss, hat ja schon Mark Twain in seinem Essay „The Awful German Language“ (Die schreckliche deutsche Sprache) vor über hundert Jahren erkannt. Die Begründung hat er auch gleich mitgeliefert:
„Im Deutschen hat ein Mädchen kein Geschlecht, eine Rübe aber hat eines. Man denke nur, welch überwältigende Wertschätzung der Rübe und welch kaltschnäuzige Respektlosigkeit gegenüber dem Mädchen das zeigt.“
Er hat sogar schon prophezeit, wohin das führen wird:
„Nachdem alle diese Reformen festgestellt sein werden, wird die deutsche Sprache die edelste und die schönste auf der Welt sein.“
Dumm nur, dass es Satire war und Luise F. Pusch („krank“ und „reparaturbedürftig“), Anatol Stefanowitsch („Diagnose: ,Männersprache‘“) und andere „feministische“ Linguisten (und Innen?) das nicht gemerkt haben. Vielleicht glauben sie sogar, dieses Märchen selbst erfunden zu haben? Oder haben sie es einfach geklaut und versuchen, uns alle zum Narren zu halten?
Was aber ist dran, an der Behauptung, dass die deutsche Sprache, weil das grammatische Maskulinum dominiert, Frauen diskriminiert? Viele Experimente und wissenschaftliche Studien, auf die man sich beruft, sind mindestens äußerst fragwürdig:
Z.B. die immer wieder kolportierte Geschichte vom Vater, der mit seinem Sohn einen schweren Unfall hat:
„… Der Vater stirbt an der Unfallstelle. Der Sohn wird schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert und muss operiert werden. Der Chirurg eilt in den OP, tritt an den Operationstisch heran, auf dem der Junge liegt, wird kreidebleich und sagt: „Ich bin nicht im Stande zu operieren. Dies ist mein Sohn.“
Und alle haben bei „der Chirurg“ nur an einen Mann gedacht. Weil bei einer konkreten Frau – der Mutter – eigentlich von der Chirurgin die Rede sein müsste? Das fällt dann wohl eher unter die Kategorie Taschenspielertrick als unter Wissenschaft.
Vor allem aber deshalb, weil es eine Verfälschung des englischen Originals ist, das eine ganz andere Fragestellung untersuchen wollte: ob die im Englischen natürlich neutrale Bezeichnung „the surgeon“ eher männlich oder weiblich interpretiert wird. Also, ob da ein Stereotyp vorliegt, das sich natürlich auch – einfach durch Bedeutungswandel – den Realitäten anpasst. Das generische Maskulinum spielte bei diesem Experiment gar keine Rolle.
Dieser Trick wird übrigens von Genderideologen regelmäßig angewendet: Eine maskuline Berufs- oder Rollenbezeichnung im Singular wird auf eine konkrete, manchmal sogar namentlich genannte Frau angewendet, um zu „beweisen“ dass das Maskulinum nicht generisch verwendet werden kann. Ein anderer, ähnlicher Trick ist es, das Maskulinum im Plural auf eine explizit genannte Gruppe von Frauen anzuwenden.
Es wird im Singular aber nur da generisch verwendet (und auch so verstanden), wo es um die abstrakte Bezeichnung einer Rolle oder eines Berufes geht. Im Plural dort, wo das Geschlecht der Gruppenmitglieder irrelevant (!) oder unbekannt ist.
Das Märchen, nach dem Frauen angeblich Schwierigkeiten beim Lesen hätten, wenn das generische Maskulinum verwendet wird, ist wohl selbsterkärend. Schwierigkeiten beim Lesen erzeugt wohl eher so etwas:
„Bei einer Bürgschaft entfaltet ein zugunsten des oder der Gläubiger*in ergangenes Urteil gegen den oder die Hauptschuldner*in keine materielle Wirkung im Verhältnis zwischen der oder der Gläubiger*in und dem oder der Bürg*in.“ (Landesarbeitsgericht Berlin Brandenburg) Des Gläubiger? In? Der oder der? Was ist ein Bürg?
Die bis heute inflationär zitierte Studie von Gygax et al1 von 2008 beweist sogar bei genauem Hinschauen das Gegenteil dessen, was behauptet wird: Bei spezifischer Verwendung des Maskulinums wird es spezifisch, aber sogar hier oft generisch interpretiert. Das gilt übrigens auch für mehrere weitere Studien, die den exakt gleichen methodischen Fehler (das Maskulinum auf eine explizit genannte Gruppe von Frauen, also spezifisch zu anzuwenden) machen. Die Behauptung, die generische Verwendung des Maskulinums würde eher als männlich assoziiert, ist also nicht zu halten. Wenn das so wäre, dann hätte sich dieses Verständigungsproblem längst durch natürlichen Sprachwandel erledigt. Mit Gendersprache wird sogar versucht, dieses Verständigungsproblem erst zu erzeugen.
Das Gegenteil ist der Fall: Bei spezifischer Verwendung erfordert das Maskulinum oft sogar eine Präzisierung: Nach dem Training gingen die Sportlerinnen nach Hause, die männlichen Sportler (oder einfach, „die Männer“ – aber ganz sicher nicht „die Sportler“) gingen noch in die Kneipe.
Es wäre eigentlich ganz einfach, eine methodisch korrekte Studie durchzuführen. Nur ist das so trivial, dass sich bisher kein seriöser Wissenschaftler die Mühe gemacht hat, den dafür notwendigen Aufwand zu treiben. Und das Ergebnis dürfte den „Genderlinguisten“ wohl auch nicht gefallen. In späteren Beiträgen habe ich ein solches Experiment skizziert.
Dass z.B. die Wörter Arbeiter und Pfleger2 eher männlich verstanden werden, liegt nicht hauptsächlich daran, dass sie grammatisch maskulin sind. Man darf nur nicht auf die naheliegende und so schön zur Hypothese passende Lösung hereinfallen. Man könnte auch nach möglichen anderen Gründen suchen: „Arbeiter“ wird wohl eher mit körperlicher Arbeit assoziiert und weibliche Krankenpfleger heißen für die meisten Menschen immer noch Krankenschwestern. Und manchmal passieren dann solche lustigen Unfälle:

Ganz ohne Leitlinien, Sterne, Doppelpunkte, Stottern und Quoten ist die Mehrheit der Medizin- und Jurastudenten längst weiblich. Wie konnte das passieren, wo doch in den Köpfen der Menschen (nicht nur) bei Ärzten, Anwälten, Richtern und Studenten angeblich immer nur Männer herumspuken? Die Behauptung, man könne (und müsse) durch gezielten Umbau des Sprachsystems Veränderungen bewirken – also ebenfalls Fehlanzeige.
Sind Frauen wirklich so naiv oder hilfsbedürftig, dass sie grammatische Kapriolen brauchen, um zu begreifen, dass sie auch Ingenieur, Anwalt, Arzt, Minister oder Bundeskanzler werden können? Oder wollen die „feministischen Linguisten“ auf diese Art nur ungerechtfertigte Vorteile für sich und „die armen Opfer“ herausschlagen?
Die „feministische“ Linguistik“ erfindet sich sogar eigene Diskriminierungen, indem sie ihre Analysen ausschließlich auf die Personenbezeichnungen fokussiert. Das Sprachsystem macht aber gar keinen Unterschied zwischen Personen- und Sachbezeichnungen. Diese größeren Zusammenhänge und die eigentlichen Gründe für die Dominanz des Maskulinums werden konsequent ignoriert:
Viele Substantive, die sich auf Tätigkeiten beziehen bzw. aus einem Verb gebildet werden (also auch Berufs- bzw. Rollenbezeichnungen), sind maskulin und enden auf -er: Z.B. halten → Halter: Hundehalter, Strumpfhalter, Buchhalter, Büstenhalter …
Auch viele Herkunftsbezeichnungen enden auf -er und sind maskulin: Berliner, Wiener, Hamburger, Dalmatiner, Rottweiler, Perser, Edamer, Emmentaler, Tilsiter, Appenzeller. Woran denken Sie bei allen diesen Begriffen? Nur an Männer?
Die Tatsache, dass das alles hauptsächlich auf Substantive zutrifft, die keine Menschen – sondern Gegenstände oder Tiere bezeichnen zeigt, dass das Maskulinum als Standardgenus gar nichts mit „dem Mann als Norm und der Frau als Abweichung“ oder gar mit irgendeiner Diskriminierung zu tun hat. Es ist eben nicht „die männliche Form“, sondern die unmarkierte Standardform für bestimmte Wortbildungen. Viele dieser Wörter können sogar in der Grundform sowohl für Menschen, als auch für Gegenstände verwendet werden. Natürlich kann jeder aus dem Kontext heraus erkennen, was gemeint ist. Es sei denn, man möchte demonstrieren, dass man künstlich Probleme erzeugen kann.
Mit den Berufsbezeichnungen im Mittelalter hat es erst recht nichts zu tun. Hier wurde (und wird bis heute) von einigen „Sprachwissenschaftlern“ Korrelation mit Kausalität verwechselt. Das ist eine weitere Erfindung der „feministischen Linguistik“. Die muss wohl so etwas Ähnliches, wie die atheistische Theologie sein? Oder die arische Physik? Wohl eher so etwas, wie die marxistisch-leninistische Philosophie.
Dass die deutsche Sprache für Substantive, die Menschen (oder Tiere) bezeichnen, teilweise auch eine spezifisch weibliche Form kennt, ändert daran nichts. Auch nicht, dass das Maskulinum deshalb natürlich auch spezifisch verwendet werden kann. Schon gar nicht die Tatsache, dass es Substantive gibt, die nur als Maskulinum, Femininum oder gar als Neutrum existieren. (der Mensch, die Person, das Mitglied, …)
Der Dudenredaktion ist das aber egal. Die gendert sogar hier. Aber natürlich nur da, wo es „gerecht“ ist. Das Femininum „die Person“ benutzt man ungeniert, um ein generisches Maskulinum in „eine männliche Person, die …“ umzudefinieren. Und zum Gast reanimiert man die seit Langem durch natürlichen Sprachwandel ausgestorbene Gästin. Sogar eine „Bösewichtin“ hat man schon erfunden. Das Wort „der/die Beamte“3 ist verschwunden. Stattdessen ist „Beamter“4 „… eine männliche Person, die …“. Der Beamter? Dazu wurde dann die Beamtin erfunden. So, wie der Angestellter und die Angestelltin? Oder der Kranker und die Gesundin? Der Deutscher und die Deutschin? Wo bleibt die arme Diskriminiertin? Die Beamtin ist zwar inzwischen schon ein wenig5 verbreitet, verursacht aber mindestens bei der Doppelnennung und beim Deklinieren einen holprigen Sprachrhythmus.
Bei manchen Leuten werden sogar Städte und Gemeinden ganz weiblich: „… die Arbeitgeberin Hansestadt Lübeck …“. Das Arbeitgeber(chen?) Dummersdorf? Wann fängt das bei Straßen und Brücken an? Sogar den Plural von „der Staat“ hat ein Moderator schon zur Frau gemacht: „… wichtigste Fürsprecherin: die Vereinigten Staaten.“ Die Männer ist immer die Schuldigin! Den Plural von „das Land“ kann man auch zur Frau machen: „Die Länder sind die Gesetzgeberinnen“ (der ARD-Vorsitzende)
„Neunundneunzig Sängerinnen und ein Sänger sind hundert Sänger.“ Wie schrecklich! Und drei Kater und eine Katze sind vier Katzen. Wer hat denn hier verkehrt herum diskriminiert? „Alle meine Entchen …“ schwimmen da nicht auch ein paar Erpel auf dem See? Werden die durch „die Sprache“ diskriminiert?
Wer behauptet, unsere Muttersprache würde Frauen diskriminieren, der leidet offenbar an einem Minderwertigkeitskomplex. Betroffene und Aktivisten (besonders aber Sternchen und Innen) wollen uns allen diesen Komplex aufschwatzen.
„Die Sprache wandelt sich.“ Natürlich tut sie das. Es gibt aber offensichtlich Leute, die glauben, sie heißen „Sich“ und der Satz lautet: Sich wandelt die Sprache. Das funktioniert aber nicht, wie man sieht.
Für natürlichen Sprachwandel braucht man kein ganzes Spinnennetz aus Hunderten von als Empfehlungen getarnten Vorschriften und fein gesponnenen „Leitfäden“. Grammatische und Rechtschreibregeln werden nicht von unterbeschäftigten „Beauftragten“ erfunden, sondern (von richtigen Wissenschaftlern) aus der gelebten Sprache hergeleitet.
Wenn aber „die Sprache“ ungerecht und diskriminierend sein soll und das durch die Gendersprache angeblich „repariert“ werden kann, dann muss das wohl jemand bewusst in die Sprache eingebaut haben? Nennt man so etwas nicht einen Verschwörungsmythos?
Alle Formen, die versuchen, beide (oder gar mehrere) Geschlechter anzusprechen, verkennen (oder ignorieren absichtlich?) die Funktion der Sprache als eine hohe Stufe der Abstraktion und werden in konsequenter Anwendung lächerlich: Bürger_*/- Innenmeister_*/-Innenkandidat_*/-Innen?
Studenten werden zu Studierenden (noch eine Reanimation einer längst ausgestorbenen Form), Absolventen aber nicht zu Absolvierenden, denn sonst müssten sie absolvieren, bis der?die?das? Ärzt geteilt durch In kommt?
Die Sprache blendet, um überhaupt funktionieren zu können, Irrelevantes aus, abstrahiert also. Nein, nicht „die Frauen“ oder Menschen, die sich für irgendwas anderes halten, werden bei der generischen Verwendung des Maskulinums ausgeblendet. Die meistens irrelevante Information „Geschlecht“ wird ausgeblendet.
Die einzige sprachlich korrekte Form (Finninnen und Finnen) ist oftmals sachlich falsch. Sie beschränkt die Aussage auf (jeweils mindestens zwei!) Männer und Frauen. Was den Tagesspiegel aber nicht daran hindert, uns Hendrik und Nikolas als „die Autorinnen und Autoren“ vorzustellen. Männchen? Weibchen? Einzahl? Mehrzahl? Zufallszahl? Schietegal!
Diese Form ist außerdem sprachökonomisch überflüssig, weil sie keine zusätzliche Information enthält (Redundanz). Keine einzige Form der sogenannten „gerechten“ Sprache enthält irgendeine zusätzliche, relevante Information. Im Gegenteil, sie betonen eine meistens irrelevante Information:
Die Information: „Schau mal, wie progressiv ich bin. Fühl dich gefälligst angesprochen. Wenn dich das stört, dann bist du ein alter, rechtsradikaler, reaktionärer, altmodischer weißer Mann (junge Männer und Frauen, Greise und Kinder jeglicher Hautfarbe sind hier interessanterweise nur mitgemeint)!“ ist übrigens immer irrelevant.
Manche Männer kaufen sich für den Fall, dass sie sich nicht angemessen wahrgenommen fühlen, ein Motorrad und manipulieren den Auspuff. Damit werden sie endlich wahrgenommen … und gehen ihrer Umgebung auf die Nerven. Die exzessive Anwendung – besonders der Doppelform – bewirkt genau das Gleiche. Es geht den meisten Menschen gehörig auf den Zeiger (die Zeigerin? den/die Zeigenden? Zeiger geteilt durch Innen?). Andere gründen Petzportale6, um mehrere Hunderttausend Euro Steuergeld pro Jahr abzugreifen:

Screenshot aus dem „Berliner Register“
Mit der Genderei wird versucht, die generische Lesart des Maskulinums aus den Köpfen zu vertreiben. Also die Begründung fürs Gendern erst zu erzeugen.
Witwerinnen und Mitglieder geteilt durch Innen sind nur die Spitze eines Eisbergs aus sprachlichen Katastrophen, oder „grammatischen Folgeproblemen“ die man überall in den Medien, an Universitäten und in Behörden (siehe den Beitrag „Risiken und Nebenwirkungen“!) finden kann.
In den folgenden Beiträgen wird auf einige der hier nur angerissenen Argumente näher eingegangen.
1 https://www.researchgate.net/publication/233795019_
Generically_intended_but_specifically_interpreted_When_
beauticians_musicians_and_mechanics_are_all_men
2 https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/
geschlechtergerechte-sprache-2022/346093/sprache-und-bewusstsein/
3 https://www.dwds.de/wb/Beamte
4 https://www.duden.de/rechtschreibung/Beamter
5 https://www.dwds.de/r/plot/?view=1&corpus=
zeitungenxl&norm=null&smooth=spline&
genres=0&grand=1&slice=1&prune=0.05&
window=0&wbase=0&logavg=0&logscale=
0&xrange=1946%3A2025&q1
=eine%20Beamte&q2=eine%20Beamtin
6 https://www.berliner-zeitung.de/open-source/
gefaehrliche-naehe-zur-politik-sind-das-noch-ngos-oder-nur-
noch-gos-oder-vielleicht-sogar-schon-behoerden-li.2309901