„Gewalt entsteht dort, wo Argumente ihre Überzeugungskraft verloren haben.“
Hannah Ahrendt
Alles Nazis?
B.S. 21.06.2026
3 Minuten Lesezeit
Der neue Vorsitzende der Partei mit den vielen Namen hat sich wohl zu früh aus der Deckung gewagt. Hat außerdem den gleichen Fehler gemacht, den seine Partei schon vor ungefähr 100 Jahren gemacht hat:
Indem er die falschen Faschisten bekämpft, hat er den richtigen den Weg bereitet. Damals waren es die „Sozialfaschisten“ (gemeint waren die Sozialdemokraten), die zum Hauptfeind erklärt wurden. Heute macht er die Union zu Faschisten und teilt dem konservativen Wähler mit: „Wenn du echte konservative Politik willst, musst du nicht die Union wählen, sondern die AfD.“ Zuerst gibt es seiner Ansicht nach
„… keinen Unterschied zwischen der CDU,
die faschistische Politik macht,
der AfD oder den Faschisten selbst“
Dann rudert er zurück. Aber nur ein bisschen:
„Das war verkürzt. Aber ich muss feststellen, dass in den letzten Wochen und Monaten die CDU immer mehr politische Narrative und auch Programmpunkte der AfD übernimmt. In der Migrationspolitik, durch nach unten Treten gegen Arbeiterinnen und Arbeiter.“
Hat er die „Arbeiterinnen und Arbeiter“ mal gefragt, was sie von der Migrationspolitik der Union (und der schlechten und radikalen Kopie namens AfD) halten? Das ist der klassische Fall kommunistischer Strategie und Taktik: Zuerst das ganz schwere Geschütz: „Alles Nazis außer ich!“ Dann die scheinbar plausible Verdrehung von Ursache und Wirkung: Dass die konservativen Positionen der Union, eigentlich von der AfD stammen.
Stellen wir uns nur einmal vor, die Union würde auf alle diese Positionen nicht nur verzichten, sondern das Gegenteil vertreten. (Dummerweise macht sie das sogar teilweise schon) Was für eine Partei wäre das dann? So etwas, wie die KPD Light? Wahrscheinlich wünscht sich Pantisano wieder so etwas wie die „Blockflöte“ Ost-CDU unter strenger Aufsicht „der Partei“.
Mit solchen Aussagen hat Pantisano immer noch 53% der Parteitagsdelegierten überzeugen können. Bei der „linken Jugend“ sind sogar die DDR, Stalin und Mao wieder verehrungswürdig. Und bei Demonstrationen stören sie nur unwesentlich. Ja, es gibt in dieser Partei auch Mitglieder, die diese Linie ablehnen, aber immerhin hat sie es schon bis in den Vorstand geschafft. Wie man Leute „auf Linie“ bringt, weiß diese Partei ja noch aus der Zeit, als sie immer Recht und (per Verfassung) „die führende Rolle“ hatte.
Dass diese Linie inzwischen nicht nur bei der Partei mit den vielen Namen, sondern auch bei ihren als „Zivilgesellschaft“ getarnten Hilfskräften salonfähig ist, habe ich ja schon in anderen Beiträgen gezeigt. Beim Spiegel hat zumindest eine Meinungsmacherin auch noch nichts gemerkt. Oder ist sie schon „auf Linie“?

Nein, die Union sollte es auf keinen Fall stören, wenn die AfD auch ihre Positionen vertritt. Im Gegenteil, sie sollte den Wählern endlich wieder klarmachen, dass sie die auch durchsetzen kann, wenn sie das demokratische Mandat dafür hat. Übrigens ohne die Demokratie gleich mit zu entsorgen. Dann braucht man keine Partei mehr, die zumindest in erheblichen Umfang in radikale, verfassungsfeindliche Positionen abgedriftet ist. So herum wird nämlich ein Schuh daraus!
Warum kämpfe ich hier eigentlich für die Union, deren Positionen ich auch häufig ablehne? Vielleicht, weil ich gemerkt habe, dass es ohne eine demokratisch konservative Partei (die „Rechten“) im politischen Spektrum dann eben die Radikalen sind, die man irgendwann vielleicht nicht mal mehr einfach abwählen kann.