Wir spinnen Luftgespinste,
Und suchen viele Künste,
Und kommen weiter von dem Ziel.

Matthias Claudius

Verbeamtete!

B.S. 29.06.2026

6 Minuten Lesedauer

In seinem „Sprachlog“1 hat sich Anatol Stefanowitsch 2013 zum Thema „Beamte“ geäußert. Nein das sind keine Crewmitglieder von Raumschiff Enterprise, das wären Gebeamte.

Er meint, dass da in der (damals neuen) Straßenverkehrsordnung ein Fehler gemacht wurde, weil die Beamtinnen vergessen wurden: „Die Zeichen und Weisungen der Polizeibeamten sind zu befolgen.“ Nein, das ist gar kein Fehler, wie wir sehen werden. Allerdings wurde sogar eine ganze Menge anderer Fehler gemacht, aber dazu später vielleicht mehr. Und dann wird es abenteuerlich:

Erstens meint er, dass das aus einem Partizip abgeleitete … Nein es ist ein substantiviertes Adjektiv. Zu Deutsch: von einem Eigenschaftswort abgeleitet.

Ein Partizip ist von einem Verb (Tätigkeitswort) abgeleitet: baden → badend → Badende. Reisen → reisend → Reisende … schlafen → schlafend … Man nennt diese Form auch „Verlaufsform“. Sie beschreibt jemanden, der eine Tätigkeit oder Rolle gerade ausübt. Im Englischen als Gerundium bekannt (schönen Gruß an den Anglisten). Travelling, studying, swimming, sleeping … Wird im Englischen aber wohl nicht als Substantiv gebraucht, im Deutschen neuerdings exzessiv (z. B. tote Radfahrende und nicht mitarbeitende Mitarbeitende).

Die von Stefanowitsch angeführten Bediensteten sind natürlich auch ein substantiviertes Adjektiv. Deshalb verhält sich das Wort „Beamter“ (besser: der/die Beamte) auch nicht merkwürdig.

„Mir fällt kein anderes Wort ein, das eine solche Asymmetrie zwischen der maskulinen und femininen Form zeigt.“

Diese Asymmetrie existiert erst, seit die Beamtin erfunden wurde. Denn bei substantivierten Adjektiven funktioniert die Symmetrie schon ganz gut. Das Problem existiert also nur, weil die feminine Form Beamtin grammatisch falsch ist, wie wir sehen werden: Der Beamte, die Beamte, die Beamten, ein Beamter, eine Beamte, viele männliche und weibliche Beamte verhalten sich genau wie: Der Kranke, die Kranke … der Angestellte, die Angestellte … der Bedienstete, die Bedienstete … der Diskriminierte, die Diskriminierte … der Deutsche, … (und nicht etwa Angestelltin, Krankin, Deutschin …)

Interessanterweise wird die unbestimmte Form Beamter allerdings auch generisch verwendet: Als Beamter muss man … Wie wird man Beamter? Hier aber ausnahmsweise im Singular. Im Plural sind wieder Beamte Standard: Beamte müssen … Und genau so ist die Satz- und Wortbildung bei allen subtantivierten Adjektiven.